
User Experience schnuppern – als Geographin
User Experience (UX) Design und Geographie haben mehr gemeinsam, als man denkt: Ein ganzheitliches Verständnis, barrierefreie Visualisierung und qualitative Methoden prägen beide Bereiche. Mein Praktikum bei der UX-Agentur Zeix zeigte: Das Geographiestudium liefert ideale Grundlagen für nutzerzentriertes Design – und macht Geograph:innen in dieser Branche begehrt.
Über ein Berufspodium lernte ich Annina Brügger und durch sie Zeix kennen. Eine ausgebildete Geographin in einer UX-Agentur? Durch meine Neugier auf diese ungewöhnliche Kombi entstand ein erster Kontakt mit Zeix und eine tolle Möglichkeit: Als Schnupperpraktikantin erhielt ich während zwei Wochen einen Einblick in die Arbeit von Zeix. Ich durfte bei Usability Tests dabei sein, einen Tag eines Design Sprints miterleben, selbst erste Schritte in Figma wagen und in laufenden Projekten kleine Arbeiten übernehmen. Dabei wollte ich vor allem eine Frage beantworten:
Was hat denn nun die Geographie mit User Experience zu tun?
User Experience (UX) beschreibt die Interaktion von Menschen mit digitalen Anwendungen, also vor allem Apps und Websites. Wenn diese besonders nutzerfreundlich sind, dann steckt wohl gutes UX Design dahinter. Meistens bemerkt man aber vor allem schlechtes UX Design: Unübersichtliche Websites, langwierige Anmeldeprozesse oder kontraintuitiv aufgebaute Apps können unglaublich frustrierend und in gewissen Bereichen sogar schädlich sein. Um dies zu verhindern, gibt es zum Beispiel die Agentur Zeix, die ganzheitliche UX-Konzepte für ihre Kund:innen entwickelt und testet.
Die Gemeinsamkeiten
Viele Aspekte des Geographie-Studiums an der UZH lassen sich in der Arbeit der UX-Designer:innen hier wiederfinden.
Systemverständnis
Umweltprozesse können nicht einzeln betrachtet werden, sondern immer im Kontext eines ganzen Systems. Ähnlich verhält es sich mit User-Centred Design: Gute User Experience entsteht nicht nur durch einzelne Elemente einer Website oder Applikation, sondern durch ein durchdachtes, ganzheitliches Konzept. Das wurde vor allem sichtbar, als ich an mehreren Tests von Prototypen dabei sein durfte. In den Tests wurde immer der Fokus auf die gesamthafte Erfahrung der Testpersonen mit dem Prototyp gesetzt.
Bandbreite der Themen
Die Diversität der Bereiche, in die sich die Mitarbeitenden von Zeix von Projekt zu Projekt hineindenken, finde ich faszinierend. Von öffentlichen Ämtern über Banken bis hin zu Stiftungen erfordert jeder Auftrag eine Vertiefung in eine neue Branche. Diese thematische Flexibilität und schnelle Auffassungsgabe verlangen auch das Geographie-Studium: Es wird sozial-, naturwissenschaftliches und technisches Wissen vermittelt. Sozusagen eine ideale Vorbereitung auf die Arbeit mit einer solch diversen Kundschaft.
Visualisierung von Information
Bei Zeix ist barrierefreie Gestaltung in allen Projektphasen ein wiederkehrendes Thema: Ich konnte sehen, wie mit bewusster Farbwahl, passenden Schriftgrössen, einfachen Texten und simpler Bedienung barrierearme Online-Tools entstehen. Auch das kenne ich aus dem Studium: In der Kartographie lernte ich Karten zu erstellen, die Zielgruppen-orientiert und auch mit Farbenfehlsichtigkeit leicht lesbar sind. Sowohl in der Geographie als auch im UX Design ist also die barrierefreie Darstellung von Informationen zentral.
Qualitative Methoden zur Konzeption
Die zentralen Methoden in der Entwicklung von nutzerfreundlichen Anwendungen erinnern mich an die qualitativen Methoden aus der Human- und Wirtschaftsgeographie. Saubere Vorbereitung und kritische Auswertung von Interviews, Workshops und Tests habe ich so ähnlich bereits selbst im Studium durchgeführt.
Die Unterschiede
Sprache & Vokabular
Das Vokabular im UX-Bereich will gelernt sein. Bei Begriffen wie Expert Review, Usability-Test, Screener, Akkordeon oder Road Show musste ich nachfragen. Allgemein sind offenbar englische Wörter das Mass der Dinge, was in einer Agentur für digitale Anwendungen aber auch nicht weiter überrascht.
Programme & Software
In den zwei Wochen bei Zeix habe ich einige neue Programme und Tools kennengelernt. Mit Figma hatte ich bisher noch keine Berührungspunkte. Entsprechend brauchte ich einige Zeit, um zu verstehen, wie ein Prototyp in dem Programm entsteht. Dasselbe gilt für Craft als Content Management System für Websites. Auch diesem Programm bin ich im Studium noch nie begegnet. Da halfen mir schon eher die Erfahrung mit Tools, die ich in der Jubla manchmal verwende, wie WordPress und Miro.
Mein Fazit
Nach zwei Wochen als «Schnupper-Zeixie» habe ich nun definitiv viele Eindrücke zu verarbeiten. Neben einem Töggelimatch im Zeix-Keller, einer unendlichen Menge an Post-its und vielen spannenden Bekanntschaften bleibt mir vor allem ein Gedanke: Meine Möglichkeiten nach dem Geo-Studium sind unglaublich divers. Anhand der Unterschiede ist aber auch klar, dass ein Einstieg in der UX-Branche noch viel Selbstinitiative und zusätzliches Wissen bräuchte. Ich habe aber wohl die idealen Grundlagen dafür, mir diese anzueignen. Ein gutes Beispiel ist der neue CEO von Zeix: Er ist ebenfalls Geograph.
Noch vor wenigen Monaten wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass UX Design was für mich als Geographin wäre. Darum ein riesiges Dankeschön an Zeix für die Möglichkeit, die Verbindung von meinem Studienfach zu UX aus erster Hand erleben zu dürfen!
Moira Ritler, Bachelor-Studentin der Geographie im 3. Jahr