«Geographies of Celebration»: EGEA Jahreskongress 2025

· by Maurus N. Villiger & Carlo Kretzmähr · in Teaching and studying, What's new

Wie beeinflussen Grossveranstaltungen unsere Städte, Landschaften und Gesellschaften – und welche Chancen können sie bieten? Diese Fragen standen im Zentrum des Jahreskongresses der European Geography Association (EGEA). 200 Geographie-Studierende aus ganz Europa trafen sich im September für sechs Tage im Melchtal in der Zentralschweiz. Das umfangreiche Programm bot eine einzigartige Mischung aus Wissenschaft, Erfahrungsaustausch und Gemeinschaft.

2025 war ein Jahr der Grossveranstaltungen in der Schweiz: Vom Eurovision Song Contest in Basel über die Frauen-EM in mehreren Städten bis hin zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Glarus. Diese Anlässe bieten Chancen für Innovation und Gemeinschaft, zugleich bringen sie aber auch Herausforderungen für Nachhaltigkeit, Raumplanung und Gesellschaft mit sich. Mit diesen Fragen beschäftigen sich verschiedene Disziplinen der Geographie. Unter dem Leitmotiv „Geographies of Celebration“ stand unser diesjähriger Kongress ganz im Zeichen dieser Themen und beleuchtete, wie diese Anlässe selbst zu einem Spiegel gesellschaftlicher und räumlicher Dynamiken werden.

Kann weniger mehr sein?

Zum Auftakt des Kongresses sprach Prof. Daniel Sven Wolfe von der Universität Neuenburg über die gesellschaftlichen und raumplanerischen Auswirkungen von Grossveranstaltungen. Anhand seiner Forschung zu den Olympischen Spielen in Paris und Sotschi sowie zur Fussball-WM in Katar diskutierte er zentrale Fragen: Was macht ein Ereignis zu einem „Mega-Event“, und welche Vor- und Nachteile ergeben sich für die Austragungsorte? Wie entwickeln sich Ansätze für mehr Nachhaltigkeit in der Organisation? Kann weniger tatsächlich mehr sein?

Workshops: Lernen und Mitmachen

In neun Workshops hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, praxisnah in verschiedene Themen einzutauchen. Beispielsweise untersuchte „Spying out megastructures“, wie sich die Umgebung und Infrastruktur von Grossveranstaltungen aus der Ferne, beispielsweise über Satellitenbilder, entwickelt. Im Workshop „Let’s Make a Celebration – and Map What It Means“ experimentierten die Teilnehmenden (in Zusammenarbeit mit ESRI) mit Web-GIS und erstellten ein Tool für die Berechnung der CO2-Bilanz eines Konzertbesuchs. „Helping your community: Volunteerism in- and outside of EGEA“ beschäftigte sich mit freiwilligem Engagement und wie Menschen dazu motiviert werden können – dies am Beispiel von EGEA selbst.

Alle Workshops wurden von EGEA-Mitgliedern organisiert. Die Ergebnisse werden demnächst auf der EGEA-Website veröffentlicht. Eine Übersicht über alle Workshops, Exkursionen und Trainings ist ebenfalls auf der Website zu finden.

Exkursionen führten raus in die Praxis

Der vierte Tag stand ganz im Zeichen der Exkursionen – acht verschiedene Ausflüge führten die Teilnehmenden hinaus in die Praxis der Geographie. Dabei ging es von Stadt- und Raumplanung über Ökologie bis hin zu Glaziologie.

Beispielsweise gab die Exkursion „Stadion und Stadt Luzern“ Einblicke in nachhaltiges Bauen, Raumplanung und den Einfluss des Tourismus auf die Stadt. Am Rotsee ging es um die Wasserqualität, Nutzung und Biodiversität des Sees – besonders im Kontext des Spitzensports im Rudern. An der Exkursion „Fernerkundung alpiner Wälder“ lernten die Teilnehmenden moderne Technologien zur Analyse von Vegetation im schwierigen Terrain kennen und erhielten Einblicke in die Bedeutung der Bergwälder.

Science Fair & Jobfair

Auf der Science Fair präsentierten Teilnehmende ihre eigenen Forschungsprojekte – von Bachelor- über Master- bis hin zu PhD-Arbeiten. Mit vier Postern und neun Vorträgen reichten die Themen von den wirtschaftlichen Auswirkungen der FIFA WM 2006 über die Waldbrände in Südkalifornien im Januar 2025 bis hin zu Sedimentstrukturen unter dem Mikroskop.

Bei der Jobfair trafen Studierende auf Vertreter:innen von Unternehmen und Vereinigungen wie der Schweizerischen Gesellschaft für Hydrologie und Limnologie, Geoformer und der Universität Zürich. Dazu kamen rund 20 EGEA-Alumni, die ihren beruflichen Werdegang teilten und wertvolle Tipps für den Einstieg ins Berufsleben gaben.

Skill- und Training-Sessions

Am Kongress ging es nicht nur um Fachwissen – in den Training-Sessions konnten Teilnehmende ihre Soft Skills vertiefen und wertvolle Impulse für ihre persönliche Entwicklung sammeln. Unter der Leitung von EGEA-Mitgliedern standen Kurse zu Stressbewältigung, mündlichen Präsentationen oder interkultureller Kommunikation auf dem Programm. Daneben konnten die Teilnehmenden in zwangloser Atmosphäre in den kürzeren Skill-Sessions zum Beispiel die eigene emotionale Resilienz durch Zeichnen und Skizzieren üben oder ihre Englischkenntnisse auffrischen.

Freizeit & Kultur

Neben der Wissenschaft und den Trainings sollte die Freizeit nicht zu kurz kommen. Bei der Swiss Night zeigte der Jodelclub Melchtal den Teilnehmenden die traditionelle Schweizer Kunst des Jodelns – und ermutigte alle zum Mitmachen. Die Cultural Fair präsentierte Leckereien aus ganz Europa, dazu gab es Spiele- und Kostümabende, die das Programm abrundeten.

EGEA steht für European Geography Association und ist ein Netzwerk, das rund 6.000 Geographiestudierende und junge Geograph:innen aus fast 75 Einrichtungen in mehr als 30 europäischen Ländern vereint.
 
EGEA Annual Congress 2025: Geographies of Celebration – Rethinking the impact of mega-events
Der Kongress war nur durch die grosszügige Unterstützung des Geographischen Instituts, des Rektorats der Universität Zürich und des Dekanats der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät möglich. Herzlichen Dank!

Maurus N. Villiger & Carlo Kretzmähr

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